Im Winter kann es auf Sardinien ziemlich kalt werden, gefeiert wird in Mamoiada trotzdem. Das Dorf in der noch unberührten Berglandschaft der Barbagia, in der einst dichte Kastanienwälder und die Kuppen des Supramonte Eindringlinge von außen abwehrten, zählt 2481 Einwohner und hunderte Besucher im Januar.

Wie es sich hier lebt? Ganz gut, wie es scheint. Mamoiada ist ein typisch sardisches Bergdorf in der Provinz von Nuoro – etwa 60 Kilometer vom Meer entfernt. Es gibt Restaurants, Bäckereien, Kellereien, Maskenschnitzereien und drei Museen. In der intakten Natur liegen Nuraghenruinen, Felsgräber und “Sa Perda Pintà“, ein Hinkelstein aus der Jungsteinzeit. Das offizielle Wahrzeichen sind die “Mamuthones” und “Issohadores”, die berühmtesten Karnevalsmasken Sardiniens. Ihren ersten Auftritt haben sie am 17. Januar. Am Vortag, den 16. Januar, werden dafür traditionell dutzende Antoniusfeuer auf den Dorfplätzen entzündet – dann riecht es nach Lagerfeuer, Rotwein und Mandelgebäck.

Bei den Vorbereitungen zum Fest sind den Mamoiadini klassische Rollen zugedacht. Während die Männer riesige, ausgehöhlte Baumstämme zu den Dorfplätzen ziehen und daraus etwa 40 Scheiterhaufen türmen, backen die Frauen mit viel Liebe typisch sardisches Gebäck nach altem Rezept. Gegen 16.30 Uhr wird der erste aufgeschichtete Holzhaufen traditionell auf der “Piazza Indipendenza”, neben der Pfarrkirche “Beata Vergine Assunta”, entzündet. Viele haben sich dazu versammelt, es herrscht Begeisterung als die ersten, roten, züngelnden Flammen das Holz zum Brennen bringen. Trotz einiger Windstöße verläuft das Zeremoniell reibungslos und wie am Schnürchen. Mit dem Standbild des Heiligen Antonius Abbas, dem Schutzpatron der Bauern, läuft der Pfarrer dreimal um das Feuer herum und besprenkelt es mit Weihwasser. Gleich im Anschluss nehmen die Dörfler eine Schaufel gesegnete Glut in eigenen Eimern mit, um die anderen Scheiterhaufen anzufachen. Mit diesem Brauch soll der Winter verbrannt bzw. vertrieben werden. Wie die Mamoiadini schlendern wir durch die Gassen, wärmen uns gemeinsam an den Feuern, lauschen den Geschichten, essen süße “Caschettas” mit Mandel-Honig-Füllung, “Papassinu Nigheddu” mit Nüssen, Rosinen und eingekochtem Weinmost oder “Coccone i Mele”, ein süßes Safran-Brot, und trinken einen sortenrein angebauten Cannonau. “Salute” höre ich an diesem Tag oft, “zum Wohl”, dazu ein Lächeln. Den ganzen Abend feiern wir so, mal ruhiger, mal lautstarker. Der zuweilen beißende Rauch setzt sich in der Nase und in allen Kleidungsstücken fest. Doch nichts schreckt uns ab, wir vergessen die Zeit und fallen erst spät in der Nacht weinschweren Hauptes ins Bett.

Die erste Party im Jahr

Am Nachmittag des 17. Januar erobert eine Schar bizarrer Zottelviecher mit Gruselmaske die Straßen des Dorfes. Die “Mamuthones” bewegen sich rhythmisch zu den Klängen ihrer auf den Rücken gebundenen Kuhglocken und Schellen, um den bösen Wintergeistern mit großem Lärm den Garaus zu machen. Junge Männer in orangefarbenen Jacken und bestickten Schultertüchern, die “Issohadores“, begleiten sie und tragen ein Lasso. Einige fangen damit Zuschauer ein – das ist aber nett gemeint, denn es soll Glück bringen. Immer wieder landet der Pulk dabei auf der “Piazza Indipendenza”, dem zentralen Platz, auf dem wir uns tags zuvor die Hände am Feuer gewärmt haben und auf dem dieses außergewöhnlich herzliche und authentische Dorffest seinen Anfang nahm.

Ein wenig Kultur kann auch beim Fest nicht schaden: In Mamoiada finden sich drei kleine Museen, die einen Besuch wert sind. Das “Museo delle Maschere Mediterranee” ist die Top-Adresse für Karnevalsmasken auf Sardinien.


Die Recherche wurde unterstützt vom Museo delle Maschere Mediterranee, Piazza Europa 15, T. +39 0784 569018, E-Mail: info@museodellemaschere.it, Web: www.museodellemaschere.it.

Mehr Informationen zu Mamoiada und seinen Höhepunkten gibt es bei pecora nera.