Rüstige Alte, bizarre Bräuche, kartoffelgefüllte Teigtaschen und ganz viel salzig-frische Meeresluft: Bari Sardo in der Ogliastra-Region an der Ostküste von Sardinien ist perfekt für alle, die gern in der Natur sind und sich ein gesundes und langes Leben wünschen.

Die Ogliastra ist ein fast noch unberührtes Stück Sardinien und eine „Blaue Zone“ – ein Hotspot der Langlebigkeit. Sanft geschwungene Hügelketten, Kork- und Steineichenwälder wechseln sich ab, die langen Sandstrände der mittleren Ostküste und schroffe Berge rahmen diese Landschaft ein. Eingebettet in Obst- und Weingärten ruht Bari Sardo, das Heimatdorf mehrerer Jubilaren, auf der basaltischen Hochebene von „Teccu ‘e su Crastu„ in 51 Metern Höhe über dem Meer. Besucher kommen vor allem aus einem Grund: Sie möchten im Strandbad des Dorfes baden.

Männer links, Frauen rechts

Rund vier Kilometer südöstlich des 3950-Seelen-Dorfes ist es so, wie es immer war: Ein lauer Wind stiebt über die niedrigen Zinnen eines trutzigen Wehrturms, durchkämmt die Pinienkronen am Meeresrand und erfrischt die Ausflügler. Sonnenanbeter rekeln sich an zwei kilometerlangen Stränden und unterbrechen das Dolcefarniente nur durch einen beherzten Sprung in das azurblaue Meer oder das Inspizieren des spanischen Turms. Wie seit je. Na ja, fast wenigstens. Denn als das Strandbad des 3950-Seelen-Dorfes nach dem Zweiten Weltkrieg seine Pforten öffnete, wurde hier noch geschlechtergetrennt gebadet: die Männer im „Mari de is ominis“ im nördlichen, goldgelben Strandabschnitt der Torre di Barì, die Frauen im „Mari de is feminas“, dem grausandigen südlichen Teil. Heute widerspricht das gemeinsame Baden zu beiden Seiten des Turmes selbstverständlich nicht mehr der Moral.

Die Torre di Barì, die große Warte am Strand, ist der Bariesi liebstes Kind. Seit dem späten 16. Jahrhundert thront der spanische Wehrturm uneinnehmbar auf dem Felsvorsprung, der die beiden Strände voneinander trennt. Den spanischen Besatzern bot der fast 13 Meter hohe Turm einen Rundblick auf 15 Kilometer Küstenlinie – vom Capo Bellavista in Arbatax bis zum Capo Sferracavallo in der Marina di Gairo. Heute können Brautpaare das Wahrzeichen von Bari Sardo für den „schönsten Tag im Leben“ buchen. Der Standesbeamte kommt für eine Gebühr und traut die Paare im Turm. Doch auch der Strandabschnitt vor der Torre di Barì ist eine romantische Alternative zum Standesamt.

Weizenkeime und Brotkunst

Den besten Zugang zu den Bariesi finden Urlauber am zweiten Juli-Wochenende bei einem Besuch der „Sagra de su Nenniri“, einem uminterpretierten Erntedankbrauch. Dann wird nicht nur das Standbild des jüdischen Bußpredigers Johannes der Täufer auf einem Ochsenkarren von der Chiesa di San Giovanni Battista zur Torre di Barì geschleppt. Bei der Prozession werden auch große Terrakottatöpfe mit Weizenkeimen (Su Nenniri) an den Strand getragen, dort geweiht und anschließend ins Meer geworfen. Ihren Ehrgeiz setzen die Bariesi aber auch in die Brotbackkunst. Zur Feier des Tages werden wundervolle, feinste Brotkunstwerke gebacken (Su Pani Pintau), die im Anschluss an den Umzug zusammen mit frischem Obst an die Gläubigen verteilt werden. Produzenten der Region bieten Spezialitäten, die sich durch hochwertige Zutaten auszeichnen, feil. Darunter die berühmten Culurgiònis (Teigtaschen mit Kartoffelfüllung) oder Su Sartissu (Bratwurst), mit denen sich die Schäfer und Bauern nach ihrer harten Arbeit sättigten. Sobald der Tag vorbei ist, wird das Tanzbein geschwungen und auch Urlauber dürfen mitfeiern!

Mehr Informationen zu Bari Sardo unter www.comunedibarisardo.it.