Der Strand von Piscinas an der Westküste von Sardinien zählt zu den eher einsamen Küstenlandschaften der Insel. Rund sieben Kilometer misst der Dünenstrand westlich von Arbus, an der Costa Verde. Türkisgrün glitzert das glasklare Meer, goldgelb leuchten die meterhohen Sandberge. Um ihn zu erreichen, fährt man durch eine stillgelegte Zeche.

Rund 20 Kilometer sind es von Arbus, nordwestlich von Cagliari, bis an den Dünenstrand von Piscinas. Und dennoch dauert die Fahrt mit dem Auto mehr als 40 Minuten. Denn wirklich zügig fahren, kann man wegen der vielen Kurven nicht. Vom knapp 6000 Einwohner zählende Städtchen windet sich die Straße auf ihrem Weg nach Westen eine knappe Halbestunde durch eine einsame Hügellandschaft. In der Zeche von Ingurtosu angekommen, offenbart sich ein Dorf. Ab hier erscheint der Weg zum Strand, der dann nochmal 20 Minuten dauert, wie ein Gang durch eine Schleuse in eine andere Welt. Denn dort wo das stillgelegte Erzbergwerk liegt, gibt es alte Schächte, Stollen und Waschanlagen. Nur die Kumpels mit den staubverschmierten Gesichtern fehlen.

Vorzeigeprojekt Ingurtosu

Als die Zeche von Ingurtosu im Jahr 1857 gegründet wurde, herrschte Goldgräberstimmung in der Talebene am Bachlauf des Rio Irvi – nur dass es Galenit, Zinkblende und Erz waren, die die französische Minengesellschaft „Sociétè Civile des Mines d’Ingutosu et Gennamari“ westlich von Arbus abbauen, per Loren an den Strand von Piscinas transportieren und auf Schiffe umschlagen ließ. Als man 1898 weitere gewaltige Erzadern entdeckte, gingen die Grubenfelder an die Engländer über und Ingurtosu wurde zum Vorzeigeprojekt. Unter der Leitung von Lord Thomas Alnutt Brassey von der „Pertusola Mining Ltd. Company“ entstanden Häuser, Geschäfte, Büros, eine Grundschule, ein Krankenhaus mit richtigem OP-Saal und eine Filiale der Post. Mitten im Nichts, entstand ein Ort in dem bis zu 1200 Bergarbeiter arbeiteten und mit ihren Familien lebten. Die Herrlichkeit dauerte allerdings nicht lang. Als der Abbau von Erzen in den 60er Jahren unrentabel wurde, musste die Mine 1968 schließen.

Sahara auf Sardinien

An der Spiaggia di Piscinas fühlt man sich beim Strandwandern angesichts der goldgelb leuchtenden Wanderdünen in die Sahara versetzt. Vom kräftigen Mistral-Wind getrieben, haben sich die bis zu 60 Meter hohen Dünen knapp zwei Kilometer ins Landesinnere hineingefressen. Von den Sandgipfeln blickt man auf die Wellen des Mar di Sardegna, dahinter auf bewaldete Hügel und duftende Wacholder-, Ginster- und Mastixbüsche, die ihre Wurzeln in den goldgelben Sand krallen. Mit etwas Glück entdeckt man den Sardischen Hirsch oder sogar Wanderfalken, wie sie majestätisch durch die Lüfte segeln. Der etwa sieben Kilometer lange Dünenstrand zählt zu den schönsten Sandbändern Sardiniens und ist vor allem zur Saison bei Sonnenanbetern und Wasserratten sehr beliebt. Allerdings ist der Strand aus feinem, ockerfarbenem Sand so breit und lang, dass man hier selbst im Sommer ein einsames Plätzchen und eine Düne für sich finden kann. Besonders schön ist es am Ende des Tages, wenn die untergehende Sonne direkt im Meer versinkt.

Meer der Farben

Türkisgrün schimmert das Mar di Sardegna, goldgelb strahlt der grobkörnige Sand und dunkelgrün leuchten die Wacholdersträucher gegen den tiefblauen Himmel: Auch der nur wenige Kilometer südlich von Piscinas liegende Strand von Scivu ist ein Dünentraum aus hellem Sand. Grün-, Gelb- und Blautöne sind die vorherrschenden Nuancen am unverbauten und naturbelassenen langen Sandband, das mit mächtigen Sandsteinwänden und endlos viel Sand zum Schlendern lockt. Wer die Einsamkeit sucht, ist hier richtig am Platz.

Mehr Informationen über Arbus gibt es unter www.arbusturismo.it.